« Bayerische Brotaufstriche: Obatzda & Griebenschmalz selbermachen | Startseite | Bewertungsphase beim Liebes- & Elektronik-Wettbewerb gestartet: Stimmen Sie ab! »
ebay Zahlen belegen: Krisenzeiten stärken den Do-it-yourself Trend in Deutschland
Heute morgen im TV habe ich einen Pressesprecher von ebay im TV gesehen, der anhand der aktuellen Verkaufszahlen bei ebay.de den Schluss zog, dass Krisenzeiten den Do-it-yourself Trend in Deutschland fördern würden. Die Aussage sollte anhand der Verkaufszahlen von Saatgut auf dem Online Marktplatz unterstrichen werden.
Aktuell zeichnet sich ein ganz klarer Trend zur Selbstversorgung ab: Insgesamt ist die Anzahl der verkauften Artikel im Bereich Nutzpflanzen auf eBay in Deutschland um 40 Prozent gestiegen. Jenne Packwitz, Pflanzendoktor bei Der Holländer Pflanzencentrum GmbH und Sprecher des eBay-Shops „pflanzenbote": „In diesem Frühjahr verzeichnen wir ganz deutlich eine steigende Nachfrage im Bereich Nutzpflanzen, sowohl bei uns im Geschäft als auch im eBay-Shop. Die Käufer kommen aus einem privaten Umfeld und kaufen verstärkt Saat und Pflanzen."
Diese Entwicklung lässt sich in vielen europäischen Ländern beobachten: In Österreich sind die Verkäufe um 17 Prozent gestiegen, in Italien um 30 Prozent, in Frankreich um 32 Prozent, in Großbritannien um 37 Prozent, in Spanien um 71 Prozent, in Polen um 103 Prozent und in Irland sogar um 125 Prozent. „Ein eigener Gemüsegarten, das ist heutzutage nicht nur aus romantischen Beweggründen ein Gartenprojekt der Deutschen. Das Haushaltsbudget fällt heute bei vielen Leuten geringer aus als noch vor einem Jahr. Um Geld zu sparen bauen viele Menschen ihre eigenen Gurken, Tomaten oder auch Salat und Möhren an. Manche im größeren Stil im eigenen Gewächshaus, viele haben einfach nur ein kleines Beet; so lässt sich viel Geld sparen, und man weiß, wo die Zutaten für das Abendbrot herkommen, nämlich aus dem eigenen Garten. Viele Menschen legen darauf Wert", so Jenne Packwitz.
Dass wirtschaftlich schwere Zeiten dem Trend zum Selbermachen in die Hände spielen ist sicherlich richtig. Ob man nun aber wirklich mit dem Anbau von eigenem Gemüse tatsächlich so viel Geld sparen kann, kann ich mir nicht so ganz vorstellen - natürlich hat das Selbermachen aber ganz andere Vorzüge. In Zeiten in denen eine Vielzahl der Menschen nicht mehr sprichwörtlich die Früchte ihrer Arbeit sehen, da ihre Jobs inzwischen so abstrakt und losgelöst vom eigentlichen Produkt sind, ist es besonders befriedigend Dinge wieder mit den eigenen Händen zu schaffen.

















Hi,
das habe ich die Wochen auch schon häufiger gehört. Irgendwo (in der Zeit oder brandeins?) gab es auch einen Artikel über die zunehmende Anzahl von Kleingärtnern an den wildesten Plätzen in New York.
Ich denke das passt ganz allgemein in einen schleichenden gesellschaftlichen Bewusstseinswandel. Mehr Authentizität, Selbstverwirklichung, sinnvolle Beschäftigung, etwas mehr Naturverbundenheit und was da so alles mitspielt. Die Krise mag den Bewusstseinswandel beschleunigen, macht sie doch klar, was die uns bisher verkauften Weisheiten wert sind. Geld sparen beim Kleingärtnern? Auf solche Idee können auch nur Marketingleute kommen, die entweder nicht selber gärtnern oder bewusst Dummheiten verbreiten.
Ich würde eher das Fernsehprogramm dafür verantwortlich machen. Das treibt einen ja geradezu aus dem Haus. :-)
Ich gehe mal meine Tomaten giessen.
Gruß
Olaf
Hi Olaf,
dank kleingärtnender Eltern kann ich da relativ gut mitreden. Die wenigsten in diesem nach wie vor biederen Umfeld garteln aus Geldnot. Da gibt es natürlich einen relativ großen Teil, der seine Rentenzeit totschlagen will.
Was mir in den vergangenen Jahren aber aufgefallen ist, sind immer jüngere Familien die bewusst wieder selber die Leidenschaft fürs Selbermachen im Garten entdecken.
LG
Christian
mhh
es gab mal zeiten in denen die eher proletarische bevölkerung zwingend auf das kleingärtnern angewiesen war. das ging ja bis zum eigenen schweinchen. in meiner gegend haben noch fast alle vorkriegshäuser entsprechende anbauten.
ob man heute noch gegen die subventionierte und industrielle landwirtschaft anarbeiten kann, wage ich jedoch auch zu bezweifeln. selbst mit Transport aus ganz weit weg sind viele dinge noch billiger als selbstgemacht.
diese entwicklung ist jedoch noch sehr neu und günstige nahrungsmittel waren eines der kernziele der EU vorläuferorganisationen.
wo die sache jedoch schon spannend wird ist bei bio lebensmitteln. über die zweifelhafte qualität der konventionellen landwirtschaft gibt es eigentlich keinen zweifel. dafür muss man nur mal in eine Gartentomate oder ein Schweinchen aus dem "Privatstall" gebissen haben. der Unterschied ist definitiv schmeck und sichtbar. von den diversen Lebensmittelskandalen der letzten jahren mal ganz zu schweigen.
bio ist aber teuer und für viele unbezahlbar ( mit der Wirtschaftskrise wird sich die zahl wohl noch vergrößern ) wer sich da nicht nur günstig sondern auch gut ernähren will muss dafür schon was mit eigener hände arbeit tun.
das bisherige Kleingärtnern war natürlich nur sowas wie freizeitbeschäftigung/ selbstverwirklichung. sowohl für das bildungsbürgertum als auch die schrebergartenprolls. die sache mit den hungertuchnagern ist ja auch erst seit hartz4 wieder aktuell.
Entschuldige die späte Antwort, aber wir mussten die Freischalt-Regeln etwas verschärfen, nachdem der Comment Spam überhand genommen hatte...
Leider kam ich nich nicht in den Genuss in ein "Privat-Schweinchen" zu beissen, glaube jedoch auch, dass da ein großer Unterschied zur industriellen Mast ist. Bio (und hier zähle ich mal nicht die Massenware aus dem Discounter hinzu - kann mir nämlich nicht vorstellen, dass man zu diesen Preisen wirklich bio produzieren kann), ist etwas, das nur einer relativ kleinen Schicht zugänglich ist. Es mangelt einerseits am nötigen Kleingeld und oft geht das auch einher mit fehlendem Wissen über die Vorzüge von Bioprodukten.