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Leidenschaftliche Bastler: Interview mit Polina (Lisaweta)

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Leidenschaftliche Bastler im EXPLI Interview
Polina ist eine tolle und kreative Bastlerin, die wir für unser neuestes EXPLI Interview gewinnen konnten. Für alle EXPLI Mitglieder und Bastler ist sie unter dem Namen Lisaweta bekannt. Mit tollen Anleitungen überrascht sie die Community-Basteler sowie unser EXPLI Team immer wieder aufs Neue. Endlich haben wir es geschafft, ein Gespräch zu führen, in dem sie uns Einblicke in ihr Leben und ihre Leidenschaft zum Basteln gegeben hat. Viel Spaß beim Lesen!


Erzähl uns doch Genaueres zu deiner Person und Familie - wo kommst du her? Stell dich bitte kurz vor.

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Ich heiße Polina und bin Mutter einer 1,5-jährigen Tochter. Ich komme ursprünglich aus Russland, genauer gesagt aus der ehemaligen Sowjetunion, wo Groß und Klein meiner Meinung nach kreativ und erfinderisch aus Not war. Es gab damals keine Bastelläden, nur kleine Abteilungen mit Bürobedarf, wo kleine Kinder gleiche Stifte, Radiergummis, 5 Farben Buntpapier und 10 Malfarben aussuchen konnten. „Aussuchen" passt in diesem Zusammenhang kaum...

Warum sehen wir von dir immer neue Anleitungen, in denen es um Basteleien mit Alltagsgegenständen und Papier geht (Karten, Dekoideen, etc.)? Gibt es dafür bestimmte Gründe?

Meine Bastelleidenschaft trotz diesem langweiligen Kreativangebot hat ganz früh angefangen.
Als Kinder hatten wir wenig Spielzeug aus dem Laden, meistens wurden wir zum Geburtstag und zum Neujahrfest beschenkt, da Neujahr am 31.12 in Russland von mehr Bedeutung als Weihnachten war und auch heute ist. Übrigens feiert man Weihnachten in Russland am 07. Januar.
Abgesehen von den Spielen, die wir selber fürs draußen ausgedacht haben, haben wir auch viel fürs zu Hause kreiert. Als Beispiel haben wir selber das Monopoly-Feld mit Papier und Stiften angefertigt. Die Spielfiguren waren die Deckel von Mutters Parfümflaschen und der Würfel wurde sorgfältig aus dem weichen Brot geknetet.

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In der Grundschule stand einmal die Woche der Werkunterricht auf dem Plan, wo die Bastelergebnisse streng bewertet wurden, und jeder hat sich um eine gute Bewertung im Schulzeugnis bemüht. Zu jedem feierlichen Anlass sollten die Schüler die Wandzeitungen gestalten, was auch Pflicht war. Erst zusammen mit den Eltern haben wir ausgeschnitten, aufgeklebt, gemalt und gedichtet und später alleine ohne erwachsene Unterstützung. So sollte man zeigen, was man so alles gelernt hat.

Ist es nicht irre? Man wurde gezwungen kreativ zu sein!

Einmal im Jahr gab es einen so genannten Solidaritätsbasar. Und jeder sollte was Gebasteltes von zu Hause mitbringen. Und wer nichts mitgebracht hat, hatte Ärger mit dem Klassenlehrer. Ich hatte zu Hause immer Panik, was sollte ich denn diesmal mitbringen? Dann haben mich meine Eltern beruhigt: „Wir gehen zusammen in den Stadtpark, sammeln Zapfen und Eichel und basteln daraus Märchenfiguren, die bisher keiner gesehen hat!" Meine Eltern haben mir beigebracht in jeder Baumwurzel eine Gestalt zu erkennen und aus jedem gebrauchten Gegenstand etwas zu basteln. Bei uns zu Hause stehen bis heute außergewöhnliche Wurzelfiguren auf den Regalen, die meine Eltern im Wald entdeckt, abgesägt, nachgearbeitet und mit Lack überzogen haben. So entstehen heute auch meine Bastelideen aus den Einwegtellern, kaputten Glühbirnen und leeren Flaschen.

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Meine Familie konnte sich keine Markensachen leisten. Eigentlich gab es solche in der Sowjetzeit für einfache Menschen auch nicht, und fast alle haben gleiche Kleidung aus dem Nebenladen getragen.
Meine Mutter hat einen Strickkurs besucht und jeden Abend zu Hause für uns gestrickt. So habe ich auch mitgemacht und erst für meine Puppen gestrickt. An einem harten Winter saßen plötzlich meine Puppen ohne von mir gestrickten Socken und Mützen. Diese habe ich an meinem gerade geborenen Neffen entdeckt. Das war eine kleine Freude: Es gab potentielle Verbraucher für meine Stricksachen.

Und auf Grund, dass ich viele Sachen von meiner älteren Schwester weiter tragen sollte, habe ich versucht diese mindestens auf eine persönliche Art zu gestalten. So habe ich zum Beispiel Jeansröcke mit Blumen im Rokokostil verziert.

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Zu Weihnachten gab es kein Geschenkpapier zu kaufen und somit haben wir die alte Zeitung genommen, sie mit der Plakatfarbe bemalt, danach Glaskugeln vom Weihnachtsbaum zerstampft und auf die bemalte Zeitung aufgeklebt. Zum Neujahrfest waren wir verpflichtet kostümiert in die Schule zu kommen. Achtzig Prozent der Mädchen aus der Klasse waren als Schneeflocken verkleidet und ich wollte was anderes sein, was keiner sonst ist oder war. So hat einmal meine Mutter die ganze Nacht ein Kleid für mich gebastelt, aus Reststoffen und Papier. Und ich war die Schachkönigin! Und später mal ein kleiner Koch oder ein Lebkuchen. Jedes Mal war ich natürlich fleißig beim Basteln dabei. Ich habe viel gelernt, ich versuchte jedes Mal nachzumachen.

Eines Tages habe ich mich für einen Kuscheltiere-Nähkurs angemeldet. Meinen ersten genähten Igel (Vorlage aus Burda übrigens) habe ich auf einem Solidaritätsbasar an ein kleines Mädchen verkauft. Sie hat meinen Igel genommen, umarmt und wollte ihn nicht mehr zurückgeben. Ihre Eltern haben versucht sie zu überreden, einen anderen Hasen zu nehmen, aber es ist ihnen nicht gelungen. Für das gewonnene Geld habe ich eine Buttercremetorte für meine Familie gekauft. Wir saßen alle zusammen an einem Tisch, und ich war glücklich, dass ausgerechnet meine Torte auf dem Tisch stand und ich wollte sofort weitere Tausende Igel nähen.


Was machst du so den ganzen Tag (Beruf? Mama-sein?)

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Ich bin Dolmetscherin von Beruf. Es ist nicht einfach den Job und die Familie zu kombinieren, aber es klappt wunderbar. Und wenn ich bastle, ist meine Tochter oft dabei. Sie spielt mit den bunten Filzstoffen, Lederstückchen, Papierresten. Ich habe nichts dagegen und erinnere mich dabei an meine Bastelstunden mit meiner Mutter.


Was sind deine Hobbies außer Basteln?

Als Kind habe ich mich selber für alle möglichen Kurse in meiner Stadt angemeldet. Ob singen, tanzen, schwimmen, fotografieren... Ich war überall dabei. Heute bleibt nicht viel Zeit für Hobbys übrig. Allerdings stehe ich gerne in der Küche... und es schmeckt.

Malst du auch? Du hast uns ja schon einige Bilder geschickt...

Ich male gerne, aber ich bin kein Profi. Eine vernünftige Menschenfigur oder ein Pferd zu malen, das schaffe ich nie.

Wie bist du auf EXPLI gekommen, was gefällt dir an EXPLI?

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Das Jahr 2010 ist nach dem chinesischen Horoskop das Jahr des weißen Tigers. Traditionell kleiden sich die Chinesen zum Neujahrfest in die Farben des aktuellen Jahrestiers, damit das kommende Jahr für sie glücklich wird. Auch viele Russen pflegen diese Tradition. So habe ich im Internet nach den Ideen und Bastelanleitungen gesucht, wie man selber Kostüme nähen kann. Und bei meiner Suche bin ich bei EXPLI gelandet. Das ist natürlich eine geniale Idee eine Anleitung schrittweise mit Fotos veröffentlichen zu können. Und wenn man etwas nicht verstanden hat, kann man immer noch nachfragen. Und das beste Lob für einen ist, der eine Bastelanleitung veröffentlicht hat, eine Meldung wie von dem EXPLI-Mitglied Mitoraj bei Monster AG: „Danke für die tolle Idee, habe gestern ein kleines Monster genäht!!!" oder von Gubys bezogen auf die Anleitung Stofftier Schmetterling nähen: „Danke für die tolle Anleitung. Hab sie mir mal in Bildern gespeichert und werde sie mal nacharbeiten..." Und doch ein Kritikpunkt: Ich wünsche mir sehr das Nachgebastelte von den anderen EXPLI-Mitgliedern zu sehen. Aber diese Möglichkeit ist bei EXPLI leider noch nicht vorgesehen.
Nachdem ich alle Nähanleitungen bei EXPLI durchgelesen hatte, habe ich richtig Lust bekommen was selber zu nähen. Und so am Abend vor dem Silvester hat die kleine weiße Mütze meiner Tochter zwei Tigerohren und schwarze Streifen bekommen. Danach habe ich auch auf den weißen Babypullover schwarze Streifen aufgenäht. So hatten wir einen kleinen weißen Tiger unter dem Tannenbaum, und das war tatsächlich ein sehr gutes Jahr für uns.

Das nächste Jahr 2011 ist nach dem chinesischen Horoskop das Jahr des metallischen oder weißen Hasen/Kaninchen und nach dem Japanischen - das Jahr der Katze der gleichen Farben. Vielleicht sollte man was Weißes bzw. Metallisches für die Silvestergarderobe suchen?

Ich wünsche euch allen ein glückliches Jahr 2011, viele kreative Ideen und viel Freude beim Basteln!


Vielen Dank für deine Zeit, Polina! Wir wünschen dir alles Gute für die Zukunft, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!


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2 Meinungen

Sabine meint:

DU machst soooo viele tolle Anleitungen. Ich freue mich immer wenn ich eine E-Mail bekomme, daß du wieder was neues gemacht hast.

Lisaweta meint:

Es freut mich sehr zu lesen, dass meine Anleitungen den anderen Freude bereiten:) Bei jeder Möglichkeit werde ich auch in 2011 weitere Anleitungen veröffentlichen und vielleicht sind wieder welche dabei, die dich zum Basteln motivieren:)

LG

Lisaweta

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